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Mission ErfülltAljona Savchenko und Robin Szolkowy10. Juli 2007
Für die Paarlauf-Europameister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy war die Saison 2006-2007 sehr erfolgreich, aber es war gleichzeitig auch ihr härtestes Jahr. Sie gewannen Medaillen in jedem Wettbewerb, an dem sie teilnahmen, aber sie standen auch im Mittelpunkt des politischen Konflikts zwischen ihrem Trainer Ingo Steuer, den Bundesinnenministerium und der Deutschen Eislauf-Union. Der Skandal wurde im vergangenen Jahr genau vor den Olympischen Winterspielen ausgelöst, als das deutsche NOK (Nationale Olympische Komitee) die Vergangenheit ehemaliger ostdeutscher Spitzensportler, Trainer und Funktionäre unter die Lupe nahm und aufgrund von Unterlagen zu der Auffassung kam, dass Ingo Steuer für die Stasi andere ausspioniert habe. Das NOK hielt die Verbindungen des damals 18 Jahre alten Steuer mit der ostdeutschen Geheimpolizei für so gravierend, dass er aus der Olympiamannschaft ausgeschlossen wurde. Steuer war noch nie einer, der kampflos aufgab, zog vor Gericht und erstritt sich die Akkreditierung für Turin. Doch der Rechtsstreit kostete Nerven und die Läufer, die fest zu ihrem Trainer hielten, zeigten nicht ihr Bestes. Sie wurden Sechste. Die Geschichte ging in der Saison 2006-07 weiter, als das Bundesinnenministerium, das Sportverbände und Sportler finanziell unterstützt, die Deutsche Eislauf-Union unter Druck setzte, nicht mit Steuer zusammenzuarbeiten. Das Ziel war, den Trainer von seinem Paar zu trennen, aber Savchenko und Szolkowy weigerten sich, sogar auch als Szolkowy seine Stelle als Sportsoldat bei der Bundeswehr verlor. Dieser Druck bewirkte höchstens, dass Steuer und seine Schüler noch enger zusammenwuchsen. “Nach solch einer nervenbelasteten Saison hat es für mir um so mehr bedeutet, dass meine Sportler mir die Treue gehalten haben”, sagte Steuer. „Sie wissen auch warum! Ich bin kein Trainer der klein bei gibt, und brauche solche Sportler, die mein Rezept zum Erfolg erkennen.” Unter dem Druck des Innenministeriums weigerte sich die Deutsche Eislauf-Union, den Trainer für den ersten Saisonwettbewerb, die Nebelhorn Trophy, sowie für die Grand Prix Wettkämpfe in China und Russland zu akkreditieren. Savchenko und Szolkowy zogen daher vor Gericht, der Richter erließ zu ihren Gunsten eine einstweilige Verfügung, und der Verband musste Steuer auf die Teamliste setzen. Das Paar startete letztendlich nicht bei der Nebelhorn Trophy wegen einer Verletzung, aber sie gewannen Bronze beim Cup of China und Gold beim Cup of Russia. Es war dennoch eine schwierige Zeit. “Ich glaube, ich habe noch nicht verarbeitet, was wir alles wegstecken mussten”, erinnerte sich Szolkowy. „Meine Freundin wusste oft nicht mehr, wie sie mich noch aufbauen sollte. Manchmal fühlte ich mich reif für die Klapsmühle. Aber wir haben alle drei zusammengefunden und es ist schön, dass wir trotzdem auf dem Podium sind. Wir haben zwar jedes Mal vor Gericht gewonnen, aber es hätte doch passieren können, dass wir verlieren.” Schließlich begriffen die Funktionäre, dass ihr Machtkampf nicht auf Kosten der Eiskunstläufer und des deutschen Steuerzahlers ausgetragen werden sollte, und es waren keine Gerichtsentscheidungen mehr nötig, um Steuer für das Grand Prix Finale, die Europa- und Weltmeisterschaften zu akkreditieren. „Es war auf jeden Fall eine harte Saison mit dem ganzen Stress im Nacken bei den ersten Wettkämpfen bis zur Deutschen Meisterschaft, als wir vor Gericht ziehen mussten”, erklärte Szolkowy. „Das ist natürlich belastend gewesen. Dann lief es eigentlich ganz gut und interessant, weil es von Wettkampf zu Wettkampf immer besser wurde.” Im Grand Prix Finale wurden die Deutschen Zweite mit guten Leistungen, aber der Höhepunkt der Saison war die Europameisterschaft. Savchenko/Szolkowy führten nach dem Kurzprogramm, obwohl sie beim dreifachen Wurfflip gestürzt war, aber dann liefen sie eine atemberaubende Kür zur Filmmusik „The Mission” von Ennio Morricone. Die Elemente gingen nahtlos ineinander über, die dreifach-dreifach Toeloop Sprungfolge, die Würfe, die Hebungen – alles sah mühelos und sicher aus, und die Magie war einfach da. „Dort lief es einfach so, wie es sein muss”, erinnerte sich Savchenko. „Es war schon ein sehr schönes Gefühl dort oben auf dem Podium. Vorher hatten wir die ganzen Belastungen und den Stress, und in dem Moment war alles von uns abgefallen. Wir waren so stolz, dass wir das geschafft hatten und dass wir so gut gelaufen sind. Es war ein unbeschreibliches Gefühl.” „Ich denke, besser kann es eigentlich nicht sein”, ergänzte Szolkowy, „bis auf das erste Element im Kurzprogramm (Sturz beim Wurfflip). Aber ab da hat ja alles gepasst. Wir sind als Letzte in der Kür gelaufen, fehlerfrei und hatten mit Abstand die beste Kür, die Elemente waren da und das Gefühl beim Laufen auch – das sind ja immer zwei Paar Schuhe. Ich wüsste jetzt nicht, was an dem Abend hätte besser sein können.” Das Ziel war dann natürlich, so eine perfekte Leistung bei der Weltmeisterschaft zu wiederhole, aber das klappte leider nicht. Das Kurzprogramm war sehr gut, aber in der Kür machte das Paar Fehler in den Einzelsprüngen und belegte am Ende Platz drei. Die Deutschen freuten sich trotzdem über den Gewinn der Bronzemedaille. „So eine perfekte Kür ist schwer zu wiederholen”, gab Savchenko zu, „aber du bist dir im Kopf sicher, dass du das kannst. Ich glaube, dass in der Zukunft mehr Sicherheit da ist. Es gibt uns das Selbstvertrauen, dass wir das können und es nicht so schwer ist, wie wir uns das vorgestellt haben. Ich glaube, wir brauchen noch etwas Zeit. Jetzt bei der WM in Tokio war auch der zweite Platz drin. Die Fehler, die wir gemacht haben, sollen und dürfen nicht passieren, es war genauso wie im vorletzten Jahr bei der EM oder bei der ersten EM. Es kommt mit der Zeit.” Trainer Steuer fügte hinzu: „Die letzte Saison hat gezeigt, dass Aljona und Robin zur Weltspitze gehören. Es hat mich in meiner Arbeit bestätigt, die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben.” Die Vorbereitungen für die Saison 2007-08 laufen auf Hochtouren. „Wir müssen etwas neues entwickeln, neue Programme machen”, kündigte die 23 Jahre alte Savchenko an. „Unsere Programme kannst du nicht einfach wiederholen, wir müssen immer wechseln und was Neues machen. Wir hatten diese Kür dieses Jahr und die Zeit ist jetzt vorbei. Ich will auf jeden Fall neue Würfe machen, einen vierfachen (Wurfsalchow) und den dreifachen (Wurf) Axel. Ich bin im Kopf soweit. Man muss dafür bereit sein, um es zu schaffen.” Die Europameister planen ihren Saisoneinstieg bei der Nebelhorn Trophy vom 27. bis 29. September in Oberstdorf. Das Duo ist auch für die Grand Prix Wettbewerbe Skate Canada in Quebec City und Cup of Russia in Moskau nominiert. Savchenko, Szolkowy und Steuer machten eine schwere Zeit in der vergangenen Saison durch, aber sie bekamen auch viel Unterstützung von privaten Sponsoren und Fans. Ein Autohändler in Chemnitz gab den Läufern einen Teilzeitjob in seinem Autohaus und somit die Möglichkeit etwas Geld zu verdienen. Fans gründeten einen Verein zur die Förderung des Eiskunstlaufs in Deutschland und bauten eine Webseite auf, mit deren Hilfe Sponsoren die Läufer unterstützen können. „Dieses Projekt soll uns drei bis 2010 unterstützen und uns bis Vancouver bringen”, eklärte der 27 Jahre alte Szolkowy. „Angefangen hat es mit dem Ziel, uns finanziell unabhängig zu machen, damit wir uns auf das Training konzentrieren können. Jetzt entwickelt es sich immer mehr zu einer Kommunikations- und Informationsplattform im Internet. Der Verein sitzt in Berlin, und die Leute, die daran mitarbeiten, kommen aus ganz Deutschland.” “Dieses Projekt gibt uns das Gefühl, dass die Leute hinter uns stehen, dass wir nicht alleine sind, sondern dass Leute da sind, die uns unterstützen und hinter uns stehen”, ergänzte Savchenko. „Das gibt uns Stärke. Es war in der vergangenen Saison am schlimmsten, wenn einen keiner unterstützt. Du arbeitest und gibst alles und der Sport ist dein Leben, und dann kommen Leute und sagen, das muss weg und das muss weg. Sicher stehen wir manchmal durch die Belastungen neben uns, und dann kommt der Gedanke an die Leute, die hinter uns stehen, und es kommt wieder Kraft zurück.” Es sieht so aus, als sei wenigstens der politische Streit für die nächste Saison vorbei. Im Mai 2007 empfahl Joachim Gauck, Vorsitzender einer neu gegründeten Kommission für Stasifragen im NOK (es geht nicht nur um Steuer, es sind auch noch andere ehemalige ostdeutsche Athleten und Trainer betroffen), Ingo Steuer als Trainer von Savchenko und Szolkowy zuzulassen. Das Paar und sein Coach können sich nun völlig auf das Training und die Saisonvorbereitung konzentrieren. “Nach jetziger Lage scheint es sich etwas zu entspannen, wobei die finanzielle Seite völlig offen ist!” berichtete Steuer. „Wir sind froh, mit dem Projekt “Pixeleis” eine gewisse Sicherheit gefunden zu haben. Dank allen, die sich daran beteiligen.” Die neue Saison hat bereits begonnen. Savchenko und Szolkowy präsentierten ihr neues Kurzprogramm zum „Asoka“ soundtrack (ein indischer Bollywood-Film) am 7. Juli bei einem Vereinsschaulaufen in ihrer Heimatstadt Chemnitz. “Die Idee ist mir durch diese Filme gekommen”, sagte Trainer Ingo Steuer auf die Frage, wie er dieses ungewöhnliche Stück gefunden habe. “Ich hatte mir letztes Jahr mehrere davon angeschaut und habe die CDs zum Geburtstag bekommen”. Nach Berichten von Zuschauern ist die Kurzkür sehr originell und elegant. Aljona trug ein blaues Kostüm im indischen Stil und Robin ein hautfarbenes Oberteil mit weißer Hose. Die Kür ist noch in Arbeit, und weder die Läufer noch der Trainer wollen bisher die Musik verraten. „Unser Ziel für die nächste Saison ist, alles zu schaffen, was wir dieses Jahr nicht geschafft haben”, betonte die stets ehrgeizige Savchenko. „Wir wollen mehr Stabilität und so laufen wie bei der EM. So müssen wir jetzt anfangen in der nächsten Saison zu laufen. Wenn wir so laufen wie bei der EM, kommt der Rest von selbst.” |