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Ihr eigener Weg nach obenSarah Meier28. August 2007
Sarah Meier schaffte in der vergangenen Saison den internationalen Durchbruch. Die 23 Jahre alte Schweizerin qualifizierte sich für das Grand Prix Finale, gewann dort Bronze und holte Silber bei der Europameisterschaft. Das war die erste EM-Medaille für eine Schweizerin, seit Denise Biellmann 1981 Europameisterin wurde. Bei der WM erreichte Meier als zweitbeste Europäerin Rang 7. „Wenn ich jetzt zurückblicke war die Saison sicherlich sehr erfolgreich. Während der Wettkämpfe habe ich das gar nicht so realisiert. Die Medaille beim GP-Final war die größte Überraschung für mich. An der EM war ich eher ein bisschen enttäuscht im ersten Moment. Aber jetzt freue ich mich sehr", bilanziert die Sportlerin und begründet ihren Erfolg in der für sie typischen Bescheidenheit: „Ich habe letzten Sommer sehr hart trainiert und war auch nie ernsthaft verletzt, musste nicht pausieren. Und ich war sehr fokussiert auf meine Ziele. Viele hätten mir das nicht zugetraut, aber ich habe stets daran geglaubt. Ich habe herausgefunden, dass ich meine beste Leistung zeigen kann, wenn ich mir hohe Ziele stecke und mich sehr unter Druck setze", erklärt sie. In Warschau bei der EM führte die mehrfache Schweizer Meisterin nach dem Kurzprogramm, musste sich dann aber in der Kür der späteren Siegerin Carolina Kostner aus Italien geschlagen geben. „Heute freue ich mich ganz klar über Silber, ich denke nicht mehr an das „verlorene Gold". Es ist gut so, wie es war, Carolina war eindeutig die Beste und sie hat verdient gewonnen", betont Meier, gibt aber gleichzeitig unumwunden zu, dass sie zuerst auch enttäuscht war. „Ich wusste dass ich mich eigentlich hätte freuen sollen, aber in diesem Moment ging es einfach nicht", räumt sie ein. Der Erfolg führte für Sarah zu mehr Aufmerksamkeit und Einladungen zu Schaulaufen und anderen Veranstaltungen. „Das braucht eine gute Koordination um alles unter einen Hut zu bringen. Aber natürlich ist es schön, ich möchte mich auf keinen Fall beklagen. In meinem Training oder meinem Umfeld hat sich aber gar nichts verändert." "Nach der WM trat die Schweizerin bei einigen Schaulaufen auf und nahm im April an den Japan Open teil. „Danach gönnte ich mir ein bisschen Ruhe und Erholung zu Hause. Anfang Mai habe ich dann schon wieder mit dem Aufbautraining, Kraft und Kondition mit meinem off ice Trainer angefangen. Jetzt war ich gerade zwei Wochen in Oberstdorf und habe da mit Salomé Brunner meine Programme einstudiert", berichtet sie. Im Juli hielt sich Meier im Sommertrainingslager in Flims in der Schweiz auf und nahm bis zum 19. August für zwei Wochen an einem Trainingscamp von Alexej Mischin im spanischen Jaca teil, sieht aber die Sommerwochen trotzdem eher als Erholungszeit. „Denn auch wenn ich während den letzten Monaten im Training war, hatte ich doch mehr Freiheiten", begründet die 23-Jährige. „Wenn der Wettkampfdruck nicht da ist und ich weiß, dass ich noch viel Zeit habe bis zum Saisonstart, dann kann ich zum Beispiel öfter einmal ausgehen mit meinen Freunden oder etwas unternehmen. Vielleicht gehe ich noch im August in die Ferien irgendwo ans Meer, um nach dem Sommertraining und vor den ersten Wettkämpfen nochmals Energie aufzutanken." Meiers Grand Prix Wettbewerbe werden die Trophee Bompard in Paris im November und die NHK Trophy im Dezember in Japan sein. „Ich bin zufrieden mit den Wettbewerben. Ich versuche aber immer mich nicht auf irgendeinen GP zu freuen, weil wir ja sowieso kein Mitbestimmungsrecht haben. Ich lasse mich lieber überraschen", meint sie. „In Japan war ich schon oft und ich liebe es, dorthin zu reisen und zu laufen." Ein Ziel ist die erneute Qualifikation für das Grand Prix Finale in Turin. „Wichtiger in dieser GP Serie ist es für mich aber, die 3-3 Kombi in den Programmen zu zeigen", unterstreicht Sarah, die sich im Moment ganz auf den Sport konzentriert und ihr Biologiestudium unterbrochen hat. „Wenn ich in diesem Tempo weitergemacht hätte, das heißt die Hälfte des Pensums mit 16 Stunden in der Woche, dann hätte ich erst nach acht Jahren meinen Abschluss gemacht", erklärte Meier. „Und das Training hat auch darunter gelitten. Also dachte ich, ich möchte lieber vier Jahre voll Eis laufen und dann kann ich immer noch vier Jahre voll studieren. Es war bis jetzt die richtige Entscheidung, ich habe sie noch keine Sekunde bereut." Im privaten Umkreis findet Meier den nötigen Rückhalt, denn sie stammt aus einer echten Eislauffamilie. Ihre Mutter war Hobbyeisläuferin, ihre Tante Eva Fehr war Leistungssportlerin und ist heute ihre Trainerin, Vater und Onkel spielen Eishockey. Die Schwester ist in einem Synchronized Team aktiv, die Cousins jagen wiederum dem Puck nach. „Ich bin einfach durch meine Eltern dazu gekommen, es war eben natürlich, dass ich auch mal aufs Eis gehe, wenn sie die ganz Zeit auf der Eisbahn waren. Aber wenn es mir keinen Spaß gemacht hätte, dann hätten sie mich bestimmt nicht gezwungen. Seit ich mich erinnern kann, bin ich auf dem Eis, aber macht es mir auch Spaß. Ich wollte nie etwas anderes machen, habe es nie hinterfragt. Sie haben mir einfach die Möglichkeit gegeben, das auszuprobieren", erzählt die Sportlerin. Sie erinnert sich noch gut daran, wie sie als Kind Wettbewerbe im Fernsehen anschaute und es nicht für möglich hielt, dass sie selbst eines Tages dabei sein könnte. „Ich habe nicht so weit gedacht, und dann plötzlich war ich dort", lächelt sie. Erste Aufmerksamkeit erregte sie im Jahr 2000, als sie bei der Juniorenweltmeisterschaft in Oberstdorf Dritte wurde und ein Jahr später bei der EM in Bratislava Platz fünf erreichte. Danach aber hatte die Schweizerin Verletzungsprobleme, konnte nicht kontinuierlich trainieren und lief bis 2006 nicht mehr in Medaillennähe. Doch als sie dann wieder fit war und sich vor zwei Jahren voll dem Eiskunstlauf widmete, ging es aufwärts. In Lyon bei der EM belegte sie den vierten Platz, bei den Olympischen Spielen in Turin hinterließ sie als Achte und bei der WM als Sechste jeweils einen hervorragenden Eindruck. In der Schweiz hatte der Eiskunstlauf neben den populären Sportarten Fußball und Eishockey lange keinen hohen Stellenwert. Doch mit den Erfolgen des zweifachen Weltmeisters Stéphane Lambiel hat sich das verändert. „Eiskunstlauf ist viel populärer geworden und mehr akzeptiert als Sport. Viele Leute kommen zu mir und finden das toll oder was Stephane macht. Dadurch habe ich auch ein wenig mehr Aufmerksamkeit, denn man schreibt viel von ihm und dann vielleicht hinterher noch etwas von mir. Und dass sie es auch als Sport, als Athletik anerkennen und nicht irgendwie als „in schönen Kleidern ein bisschen auf dem Eis herumhüpfen" ansehen. Es ist schon ein schönes Gefühl, dass man für die Leistung respektiert wird, auch von anderen Sportlern und nicht in so eine Schublade gesteckt und ein wenig belächelt wird", sagt Meier. „Wenn man in der Schweiz Spitzensportler von Beruf ist, dann heißt es, ja, und was machst du sonst noch? Wenn man Fußballspieler oder Eishockeyspieler ist, dann ist das klar, dass man das hauptberuflich macht, aber als Eisläufer sollte man ja schon noch einen Beruf ausüben. Das ist jetzt schon besser." Als ihr großes sportliches Vorbild nennt Sarah übrigens die fünffache Weltmeisterin Michelle Kwan. „Sie läuft ja jetzt im Moment nicht, aber ich habe ihr immer die Daumen gedrückt und schaue ihr einfach sehr gerne zu. Sie war immer meine Lieblingsläuferin. Mir gefallen ihre Emotionen auf dem Eis und wie sie in den Programmen in verschiedene Rollen schlüpft." Sich selbst sieht die Siegerin des Cup of Russia als ausgeglichene Läuferin. „Im Moment bin ich ziemlich konstant, also ich mache nicht viele Fehler. Mit den levels, das funktioniert ganz gut. Obwohl ich nicht die besten Pirouetten habe, war ich überall sehr gut. Auch bei den Schritten, daran haben wir auch viel gearbeitet. Ich glaube aber, ich kann mich in allen Bereichen noch verbessern", meint sie. In ihrer Freizeit liest die sympathische Schweizerin viel und ist in anderen Sportarten aktiv. „Ich spiele gerne Tennis, auch Schwimmen, Radfahren, ich bewege mich gerne, mache auch Snowboarding, dazu komme ich leider nicht oft." Außerdem kocht sie gerne. „Ich wohne ja immer noch zu Hause, und für meine Familie koche ich dann meistens, weil meine Eltern arbeiten." Langfristig plant Meier zunächst, bis zu den Olympischen Spielen in Vancouver 2010 weiter zu laufen und sieht auch ihre Zukunft mit dem Sport verbunden. „Ich muss dann mal schauen, aber ich werde sicher mit dem Eislaufen in Verbindung bleiben, vielleicht als Trainerin. Was mich auch interessieren würde, wäre Läufer neben dem Eis zu betreuen, als Konditionstrainerin, weil mir immer ein bisschen jemand gefehlt hat, der eine ganzheitliche Betreuung bietet, also dass man nicht fünf Leute braucht – für das Eis, für die Kondition, dann braucht man noch jemanden für die Physiotherapie, jemand für die Choreographie und so. Läufer ganzheitlich betreuen zu können, das wäre eine Traumvorstellung", verrät sie. Aber zunächst einmal geht es in der neuen Saison für Sarah Meier wieder um gute Leistungen und den eigenen Weg nach oben. |